Persönlich, Vereinbarkeit
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Wenn Papa statistisch verschwindet

Die Statistik sagt etwas falsches über Elternzeitväter aus

Bei uns läuft gerade das klassische, konservative Familienprogramm ab. Offiziell jedenfalls. Der Mann arbeitet und verdient Geld, die Frau ist in Elternzeit zu Hause. Am Ende ihrer Elternzeit dann werde ich auch noch zwei Monate nicht arbeiten und Elterngeld bekommen. Von außen betrachtet also eine recht spießige und „normale“ Situation. Schließlich nehmen zwar immerhin 34% der Väter Elterngeld in Anspruch, das allerdings im Durchschnitt nur 3 Monate lang. Wer also die meiste Zeit zu Hause ist, sind die Mütter.

Aber wieso sieht es bei uns auch so aus? Wir wollten das doch nie, nie, nie so machen!

Die Wirklichkeit ist auch ganz anders. Denn bei uns bin nicht ich der Ernährer und meine Freundin bleibt zu Hause, weil das Babykind „doch seine Mama braucht“.

Die Wirklichkeit ist manchmal komplizierter

Ich arbeite mal zu Hause, mal bin ich eine oder zwei Wochen am Stück unterwegs. Das Tolle dabei ist: Ich bin selbstständig. Möchte oder muss ich zu Hause bleiben, mache ich das einfach. Kein Urlaub, den ich extra nehmen muss. Klar, nicht arbeiten gehen, geht nicht unendlich lange, denn irgendwann ist mein Geld alle. Aber es geht.

Auch als Selbstständiger kann man in Elternzeit gehen. Eigentlich wollte ich das auch schön gleichberechtigt machen. Nicht nur für die zwei Monate, die es jetzt geworden sind. Aber meine Frau hat vor der Geburt unseres Sohnes mehr verdient als ich. Und ich begann gerade mit meiner Selbstständigkeit umfangreich zu starten. Da ist die Rechnung einfach: Sie nimmt so lang wie möglich Elternzeit und das dazugehörige Elterngeld. Denn ich kann ja trotzdem viel zu Hause sein.

Ich wundere mich oft, dass diese Möglichkeit so selten gesehen wird. Es kommt mir so vor, als würde automatisch und immer davon ausgegangen werden, dass, wenn die Mutter in Elternzeit geht, der Vater nie zu Hause ist. Es gibt doch bestimmt auch Papas, die nur Teilzeit arbeiten. Oder nur zu Hause. Vielleicht auch, weil sie arbeitslos sind.

Nur 70 von 300 Tagen

Es ist nun also so, dass ich arbeite, weil meine Frau vor Ihrer Elternzeit mehr verdient hat. Trotzdem bin ich mehr als die Hälfte des Monats zu Hause. Seit der Geburt unseres Sohnes im März 2016 war ich gerade einmal 70 Tage wegen meiner Arbeit nicht zu Hause. Ein Teil davon war ich sogar nur halbtags weg.

In der offiziellen Statistik tauche ich nun aber als ein Papa auf, der nur zwei Monate Elterngeld bekommt. Also auch als ein Papa, der augenscheinlich nur ganz wenig für sein Kind da ist. Irgendwie nervt mich, dass dieser Eindruck entsteht. Und ich bin mir sicher, dass es noch viele Väter gibt, die alles daran setzen, sehr viel zu Hause bei ihrem Baby sein zu können. Gesellschaftlich gesehen, zumindest statistisch, wird das nicht.

1 Kommentare

  1. Gute Erläuterung der Situation. So viele Regelungen sind leider nicht mehr ganz zeitgemäß, bei der steigenden Zahl von Einzelselbstständigen. Als Student gibt es ja auch diverse Grenzen die über Stundenarbeitszeit und nicht Verdienst gesetzt sind. 🙁

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