Alltag, Entwicklung

Dem Kind vertrauen. Wie unser Sohn das Rutschen lernte.

Dem Kind vertrauen. Wie unser Sohn das Rutschen lernte

Unser Sohn ist jetzt 1 Jahr und 4 Monate alt. Eigentlich ein Alter, in dem viele andere Kinder schon hundertmal eine Rutsche heruntergerutscht sind. 

Aber unser Kind hat das Rutschen erst vor kurzem erlernt. Wir hatten gleich zu Beginn unserer Elternschaft entschieden, dass wir ihn möglichst nicht auf etwas setzen oder mit ihm Dinge tun, die er nicht selbst kann. Oder wenigstens ganz stark möchte. Das gilt für uns vor allem auf dem Spielplatz.

Wir wohnen an einem wirklich tollen Spielplatz. Es gibt Schaukeln und Rutschen für groß und klein, tollen Sand, eine ziemlich große Wasserlandschaft und das Kind kann klettern bis es umfällt.

Aber bisher war unser Sohn fast immer nur auf dem Boden. Im Sand. Dort wurde gebuddelt was das Zeug hält. Nach und nach erweiterte sich dann sein Spielplatzhorizont. Er erkundete die Rutsche. Von unten. Eine Zeit lang fand er es ziemlich witzig, am Ende der Rutschbahn zu stehen und zu klopfen. Oder Sand auf ihr zu verteilen. Und obwohl zahlreiche Kinder vor seinen Augen rutschten, hatte er daran gar kein Interesse. Er war dort unten glücklich.

Dann probierte er weiter. Auf die Rutsche kommt nur, wer eine sehr bewegliche Kettenleiter hochklettert. Das probierte er ein- zweimal aus. Mit seinen kurzen Beinen und der wenigen Kraft aber war das nicht möglich. Stattdessen setzte er sich gemütlich auf die unterste Stufe der Leiter und schaukelte ein wenig hin und her. Ein Spiel, das er verpasst hätte, wenn wir ihn einfach auf die Rutsche gehoben hätten.

Vorbilder wecken Interesse

Bei unserem letzten Ausflug nach Berlin in einem Kindercafé gab es auch eine Rutsche. Das Kind schaute, wie alle anderen Kinder rutschten. Und nach langem, intensiven Beobachten wollte er dann auch.

Wir sind gemeinsam zur Treppe gegangen. Diese hier war aus Holz und trotzdem eine Herausforderung. Ich stand hinter ihm – als Absicherung, falls er fällt. Ganz langsam und unter großer Kraftanstrengung kletterte er nach oben. Das war schwer, auch weil er immer wieder abrutschte. Ich fragte ihn, ob ich etwas helfen soll. Sollte ich, also habe ich ihn bei einer großen Stufe etwas geschoben.

Dann war er oben. Ganz glücklich. Und saß dort erst einmal um zu beobachten. Die anderen Kinder krabbelten an ihm vorbei und rutschten. Bis er bereit war und auch wollte.

Erst im Sitzen und an meiner Hand. Seine Hose stoppte das Rutschen, so dass es sehr langsam nach unten ging. Völlig egal, er war happy.

Gleich unten ging es wieder zur Treppe. Und dieses Mal schon ein kleines bisschen sicherer nach oben. Jetzt rutschen auf dem Bauch, dass hatte er vielleicht kurz vorher bei einem anderen Kind gesehen.

Dann wieder hoch. Noch sicherer und schneller. So ging es weiter. Mit jedem Mal wurden die Bewegungen zielsicherer.

Eigenes Entdecken macht Stolz

Ich war ziemlich glücklich, dass wir ihn vorher nicht einfach schon auf eine Rutsche gesetzt und ihn irgendwie haben rutschen lassen. Jetzt konnte er alles alleine bewerkstelligen. Er hat den Moment gewählt, als er bereit war und Lust aufs Rutschen hatte. Er ist selbstständig hoch und wieder runter gekommen. So passte alles zusammen, seine körperliche und geistige Reife ist da.

[bctt tweet=“Ein Kind lernt viele Dinge ganz alleine. Wir müssen ihm die Zeit geben, die es braucht.“ username=“christopher_flx“]

Wir werden das auch weiterhin so handhaben. In unserem Garten steht ein Spielzeug-Traktor, auf den er sich gerne setzt. Wir schieben ihn aber nicht. Er braucht das auch nicht, denn er ist glücklich, einfach dort zu sitzen und am Lenkrad zu drehen. Irgendwann wird er dann an die Pedale kommen und losfahren. Wenn er denn soweit ist.

Auch die Rutsche auf unserem Spielplatz ist jetzt Teil seines Spiels. Zwar kommt er die Leiter noch schwer hoch, aber er schafft es ohne Hilfe. Er hat es selbst gelernt.

Unser Sohn schaukelt schon, seit er noch ein kleines Baby war. Obwohl er das noch immer nicht alleine kann. Aber Ausnahmen machen das Leben spannend. Und er liebt es.

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