Persönlich, Vereinbarkeit
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Gedanken zum Equal Care Day 2017

Meine Antworten zur Aufteilung unserer Care Arbeit

Was ist der Equal Care Day?

Dieser Tag hat sich zum Ziel gesetzt, die „Wertschätzung, Aufmerksamkeit + faire Verteilung von Fürsorge- und Carearbeit“ zu fördern. Viel zu oft wird diese Arbeit nur von Frauen ausgeführt oder, in der Pflege, für zu wenig Entlastung bei den Angehörigen gesorgt. Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, wurde der Equal Care Day gegründet. Mehr zu diesem Tag auf equalcareday.de

Heiner von vaterwelten.de hat mich eingeladen, den Fragebogen der Initiatoren Almut Schnerring und Sascha Verlan zu beantworten und so zu erzählen, wie wir hier unsere Care Arbeit aufteilen. Los geht es!

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Wir haben unsere Care Arbeit in einen groben Plan gefasst. Wir teilen nicht nach Aufgaben, sondern nach Zeit.

Abwechselnd über den Tag verteilt ist jeweils einer von uns für das Baby da. Zu den Mahlzeiten sitzen wir zusammen am Tisch. Dazwischen habe einmal ich 2 oder 3 Stunden das Baby, danach Andrin. Am Abend bringen wir das Kind abwechselnd ins Bett.

Den Haushalt teilen wir, jeder macht das, was anfällt. Da gibt es keine ganz feste Aufteilung, obwohl ich eher die Wohnung sauge und Andrin lieber Wäsche aufhängt. Aber wenn es besser passt, tauschen wir eben.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Unser Ziel ist es, dass wir beide am Tag jeweils ein paar zusammenhängende Stunden Zeit für uns, unsere Hobbys oder Arbeit haben. Also bespielt einer von uns das Baby, wickelt, füttert und geht zum Spielplatz. Oder sorgt für ein gemütliches Schläfchen in der Trage. Der andere kann in dieser Zeit ungestört und ohne Care Arbeit sein.

Ein unglaublich wichtiger Vorteil aber ist, dass ich nicht nur Zeit für Dinge ohne das Kind bekomme, sondern dass ich umgekehrt eben auch sehr viel Zeit mit meinem Kind gewinne. Wenn Andrin ihre 3 Stunden Auszeit hat, sind nur ich und der Babyjunge da. Dann machen wir alles zusammen. Unsere Bindung zueinander ist dadurch extrem groß. Ich fühle mich unserem Kind genauso nahe wie Andrin.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Konkrete Nachteile sehe ich bisher nicht. Diese Aufteilung hat unser Leben mit Kind deutlich entspannter gemacht. Natürlich kann man so eine Aufteilung nicht an allen Tagen durchziehen. Mal kommt Besuch, mal müssen wir zum Kinderarzt oder machen einen Ausflug. Aber wir haben immer ein Gefühl dafür, wer wie lange Zeit für seine eigenen Projekte hatte. Und können ohne Scheu ein Ungleichgewicht ansprechen und für Ausgleich sorgen.

Das erfordert ein ständiges Absprechen. Sicherlich könnte man dies als Schwierigkeit ansehen, wir hatten aber bisher noch keine Kommunikationsprobleme.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Bisher sind wir ja nur zu Dritt, so unübersichtlich ist es noch nicht. Aber selbst mit mehr Kindern denke ich, dass ein alltägliches Aufteilen der Verantwortung für uns auf lange Sicht besser funktioniert. Wir entwickeln Routine im ständigen Wechsel der Verantwortung für unser Kind. Jeder weiß, wie alles gemacht wird und funktioniert. So entsteht nicht die Situation, dass einer von uns auf einmal die Verantwortung hat, aber gar nicht weiß, was dann alles auf ihn zukommt.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Ich arbeite selbstständig, bin aber doch in größeren Abständen immer wieder eine Woche nicht zu Hause. In dieser Zeit ist Andrin komplett alleine für das Baby da. Das langfristige Ziel ist es, dass wir beide von zu Hause aus arbeiten können. Bisher scheitert das leider noch am lieben Geld.

Bin ich nach der Woche Arbeit wieder zu Hause, versuchen wir, Andrin in den ersten Tagen mehr Freiraum zu verschaffen. So gleicht sich das entstandene Ungleichgewicht wieder etwas aus. Ideal ist das aber noch nicht.

6. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

Seit März 2016 sind wir Eltern eines Sohnes. Aber bereits vorher war nie einer von uns alleine für den Haushalt zuständig. Wir haben die Aufgaben immer ganz gut verteilt bekommen.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

Das Älterwerden der Kind ist noch sehr am Anfang bei uns ;-).

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann?

Bisher waren die Reaktionen nur positiv. Die meisten finden es gut, dass ich bewusst viel zu Hause bin, Wäsche bügle, koche und das Bad putze. Allerdings merke ich, dass oftmals ein Erstaunen mitschwingt, wenn ich von diesem Alltag erzähle.

Meine Auftraggeber haben bisher immer Verständnis dafür gezeigt, dass ich nicht immer und sofort erreichbar bin oder eben nicht den ganzen Monat, jeden Tag arbeiten möchte. Ich bin mir aber bewusst, dass ich da Glück habe.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Mir wird immer mal wieder von verschiedenen Seiten gesagt, dass es auffällt, was ich für ein gutes Verhältnis zu meinem Sohn habe und dass es zu merken ist, dass ich viel Zeit mit ihm verbringe. Das bestärkt mich darin, lieber ein paar Mark weniger zu verdienen, dafür aber viel zu Hause sein zu können.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Nicht darauf warten zu Care Arbeit aufgefordert zu werden, sondern dir deinen Teil der Aufgaben zu nehmen.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Eigentlich wünsche ich mir weder von Politikern noch von anderen Offiziellen etwas, sondern von allen Menschen. Das endlich das ungläubige Staunen über völlig banale Dinge aufhört. Was ist so verwunderlich daran, dass ein Mann seine Hemden bügelt? Dass er sein Kind in der Trage durch die Stadt trägt, dass er den Kinderwagen schiebt? Oder dass ich als Mann keine Lust auf XXL-Schnitzel und Fußball mit Bier habe? So etwas sollte ganz normal sein. Ist es aber nicht, weshalb ich nun auch diese Fragen beantworte.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Noch mehr Männer sollten davon erzählen, dass es für sie normal ist, für Haushalt und Kinder da zu sein. Noch mehr Männer sollten offen sagen, dass sie keine Lust auf typisch männliches Verhalten haben. Ich bin überzeugt, dass gerade dieses Sich-nicht-trauen ein Grund dafür ist, warum so wenig Männer Care Arbeit ganz selbstverständlich übernehmen.

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  1. Pingback: #Equal Care in 2017 – Ein Papablog

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