Persönlich, Vereinbarkeit
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Elternarbeit – Wie wir dem 50:50 Modell näher kommen

Wir uns die Arbeit zu Hause aufteilen

Ich war nicht zu Hause. Ich war arbeiten. Eine Woche am Stück, in einer anderen Stadt.

Zu Hause waren Andrin und der Babyjunge. Und Andrin arbeitete auch. Sie war für das Baby da, bespielte ihn, wickelte ihn, machte essen, räumte auf und brachte ihn am Abend ins Bett.

Wir arbeiteten also beide. Meine Arbeit wird als Arbeit anerkannt. Die einer Mutter nicht. Damit meine ich nicht nur finanzielle Anerkennung, die gibt es für Eltern eh fast gar nicht. Ich meine, dass die wenigsten die Arbeit sehen, die es braucht, für ein Baby und Kind da zu sein. Die Gesellschaft nicht, aber oftmals auch die (männlichen) Partner nicht. Zumindest nicht genug.

Ivy von ivy.li hat gerade auf ihrem Blog ihrer Wut Ausdruck verliehen, die sie an manchen Tagen überfällt. Wenn alles schief läuft, alles zu anstrengend ist, das Baby nur und immer Aufmerksamkeit braucht und nicht mal der Tee warm getrunken werden kann. Während ihr Partner einen angenehmen Tag beim Job hat und die Probleme und die Anstrengung nicht sehen kann.

Auch bei uns ist dieses Problem eine Zeit lang akut gewesen. Mir war schon immer bewusst, dass Andrin nicht einfach nur zu Hause ist und mit dem Baby ein schönes Leben hat, während ich schufte. Ich wusste, dass eine Woche alleine anstrengend für sie ist. Sie hat mir das oft genug geschildert, in allen Details. Selbst erlebt habe ich es noch nicht.

In den Wochen, in denen ich zu Hause arbeitete, war sie trotzdem mehr für das Baby zuständig. Nicht willentlich, es war einfach so. Sie und ich, wir hatten das unbewusst so verinnerlicht.

Aber vor einer Weile stellten wir fest: Langfristig funktioniert das für uns so nicht. Also haben wir uns einen Plan zur Elternarbeit gemacht. Elternsein ist schließlich auch Arbeit und darum müssen wir sie aufteilen. So gleichwertig wie nur irgendwie möglich.

Bei uns läuft es nun so: In den Wochen, in denen wir beide zu Hause sind, verteilen wir alles gleichmäßig. Der Vormittag gehört Andrin, der Nachmittag mir. Sie kann vormittags ein paar Stunden für sich sein, zum Sport gehen, arbeiten oder nichts tun. Das Gleiche gilt für mich am Nachmittag.

Essen bereiten wir abwechselnd zu. Das war auch vorher schon so. Mal mehr, mal weniger gerecht, damit sind wir aber beide zufrieden. Einkaufen, Wäsche und putzen wird zusammen mit dem Baby erledigt.

Sobald das Baby am Abend schläft, bleiben uns meist noch 4 Stunden bis wir auch schlafen gehen. Aber derjenige, der den Babyjungen ins Bett bringt, bleibt noch mit ihm liegen, bis er eingeschlafen ist. Das dauert manchmal eine gute Stunde.
Wir wechseln uns also auch hier ab. Einen Tag Andrin, am nächsten Tag ich.

Wenn ich eine Woche arbeiten war und wieder zu Hause ankomme, erwarte ich keine Schonzeit, um mich von meiner Arbeit zu erholen. Denn ich hatte eine Woche pünktlich Schluss, am Abend meine Ruhe und konnte ungestört schlafen. Andrin hatte diesen Luxus zu Hause mit dem Baby nicht.

Das bedeutet, dass ich in den ersten Tagen, wenn ich zurück bin, etwas mehr für das Baby verantwortlich bin als sie. Damit sie Kraft tanken, wieder Ideen für Kreatives entwickeln und ihren Interessen nachgehen kann.

Diese Aufteilung fühlt sich gut an. Nicht nur für Andrin, die dadurch wieder viel mehr Raum für Eigenes bekommt. Ich verbringe noch mehr Zeit mit unserem Sohn und vor allem: Viel mehr Zeit am Stück. Ich kann mir am Vormittag überlegen, was wir in unseren drei Stunden machen wollen. Erst spielen, dann die Küche saugen, dann eine Runde schlafen in der Trage und anschließen kurz rausgehen? Guter Plan.

Bei den drei Stunden sind wir allerdings nicht total strikt, sondern passen uns dem jeweiligen Tag an. Wenn wir einen Termin haben oder Lust, etwas gemeinsam zu unternehmen, machen wir das. Wichtig ist nur, dass jeder von uns auf seine Alleine-Zeit kommt.

Ich bin davon überzeugt, erst wenn beide Partner in annähernd gleichem Maße für das Baby da sind, wissen auch beide, was dies bedeutet. Wieviel Arbeit ein Kind wirklich macht. Wie anstrengend es ist, wenn man das Baby endlich zum Schlafen gebracht hat. Wie extrem nervtötend es sein kann, wenn ein Kind den halben Tag getragen werden will. Nur so kann man diese Tätigkeiten auch als das würdigen, was sie sind: Elternarbeit. Und nur so kann man sich gegenseitig wirklich nachhaltig entlasten.

PS. Bevor ich diesen Text veröffentlicht hatte, schrieb die Bibliothekarin auf Barfuss auf Lego ein Loblied auf ihren Mann. Ein Satz daraus, der alles zusammenfasst, was ich hier eigentlich sagen möchte:

Wir sind uns zum Glück einig, dass der Alltag mit Kind(ern) strenger ist als lohnarbeiten, also sehen wir keinen Grund, warum die lohnarbeitende Person durchschlafen dürfte. – Barfuss auf Lego

Word!

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