Alltag, Entwicklung
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Eins, zwei, drei! Wie ein kleiner Spaß uns im Alltag hilft.

Zählen statt schimpfen

Hose aus, Body auf, Windel ab. Putzen. Windel dran, Body zuknöpfen, Hose an. Hunderte Male habe ich das in den letzten 15 Monaten gemacht. Und es hätte eine eintönige Sache werden können. Doch während des 361. Bodys fing ich an, beim Schließen der Knöpfe zu zählen.

1, 2, 3.

Das Baby fand es lustig. War mal was anderes als „jetzt ziehe ich dir die Strümpfe an“. Ein bisschen Abwechslung im Wickelalltag. Das Zählen bis 3 wurde schnell zu unserem kleinen Ritual.

Jetzt, nach 15 Monaten, mache ich das noch immer. Nicht mehr nur bei den Köpfen am Body, sondern auch bei der Windel oder, wenn ich ihm einen Pullover anziehe.

Über den Kopf – 1. Linker Arm –2. Rechter Arm – 3. Fertig!

Meine Penetranz beim Zählen bis 3 ist so stark, dass es mich nicht wundern würde, wenn es seine ersten, perfekt artikulierten Wörter werden. Vor zwei Monaten fiel Andrin schon auf, dass er die Laute nachmacht. Strengt man sich etwas an, erkennt man darin 1, 2, 3.

Die Begeisterung des Kindes für mein Zählen ist bisher nicht abgeebbt. Er amüsiert sich immer noch, wenn endlich die 3 kommt. Und ich variiere, wie ich abzähle. Mal mit tiefer Stimme die 1, mit hoher die 3. Mal zähle ich schnell, dann wieder langsam. Manchmal auch rückwärts, das kommt besonders gut an.

Fast unbewusst habe ich in der letzten Zeit die drei Zahlen in viele andere Situationen unseres Alltags eingebaut. Sie sind zu einem guten Rezept der sanften Überzeugung geworden. Wenn ich von meinem Sohn etwas will, auf das er keine Lust hat, zähle ich.

Ein Beispiel: Wir wollen rausgehen und das Wetter will, dass wir eine Jacke anziehen. Darauf hat das Kind aber gar keine Lust. Die Mütze reicht doch! Ich sage ihm zwei, drei Mal, dass er sie aber anziehen muss. Wetter doof und so! Er will nicht.

Dann schlage ich vor, dass wir bis 3 zählen und wedele noch einmal mit der Jacke. In wirklich vielen Fällen huscht dann ein Lächeln über sein Gesicht, er nickt und ich kann anfangen.

Über den Kopf – 1. Linker Arm –2. Rechter Arm – 3. Fertig!

Schon das Angebot an ihn, bis 3 zu zählen, reicht. Dann hat er plötzlich Lust auf Dinge, die er vorher mit sehr bösen Blicken und weglaufen verhindert hat.

Ich finde das phänomenal.

Spannend ist auch, darüber nachzudenken, woher der Erfolg dieser Zählerei kommt.

Ich mache das schon lange. Er kennt diese drei Zahlen fast sein ganzes Leben lang. Mehrmals täglich hört er sie von mir. Das macht die Zahlen zu etwas sehr Vertrautem. Öfter hat er wahrscheinlich nur „Mama“, „Papa“ und seinen Namen gehört.

Außerdem glaube ich, dass er inzwischen weiß, wie lange der Zeitraum ist, bis ich bei 3 bin. Wenn Papa bis 3 zählen will, dann will er nur kurz etwas von mir. Die drei Zahlen lassen meine Handlung verlässlich werden.

Verlässlich ist auch, dass nach der 3 Schluss ist. Da achte ich wirklich drauf. Lieber dehne ich die Zeit zwischen der 2 und der 3 etwas, als noch bis 4 zu zählen. Ich denke, dass mein Sohn das kapiert. 1, 2, 3 und dann ist es vorbei.

Und ich verwende die Zahlen nie im negativen oder bösen Kontext. Wir haben dabei immer Spaß und unsere Freude. Es wird gelacht, es werden Grimassen geschnitten oder ich verstelle meine Stimme. Aber ich drohe mit diesen Zahlen nicht. Ich biete sie ihm an. Wenn er Lust darauf hat, toll. Wenn er sich trotzdem seine Jacke nicht anziehen lassen will, dann ist das eben so.

Diese drei Zahlen sind sozusagen das letzte Mittel, aber sie sind sehr beliebt.

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