Persönlich
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Wie ich versuche einzuschlafen. Ein Gastbeitrag.

Wie ein Kind einschläft

Jeden Abend bringen wir unseren Sohn ins Bett. Das Einschlafen ist mal mehr mal weniger einfach – für ihn und für uns. An manchen Tagen ist er so k.o., dass er in zehn Minuten einschläft. Manchmal aber dauert es auch anderthalb Stunden.

Vor ein paar Tagen lag ich da, sah zu, wie er sich von links nach rechts wälzte und überlegte mir, dass er doch einmal aufschreiben könnte, was dabei in seinem Kopf vorgeht.

Hier kommt sein Beitrag 😉

Ein wenig Licht dringt in das Zimmer, obwohl wir gerade die Rollos heruntergelassen haben. Eigentlich wollte ich noch am Band anfassen, aber Papa war schneller. „Gute Nacht Welt“ hat er gesagt und mich dann auf diese flauschige Fläche gelegt. Es gibt wie jeden Abend eine Flasche mit Milch für mich. Nun wird es zum ersten Mal spannend. Ich muss wieder versuchen die Flasche mit einer Hand zu halten, damit ich mit der andern die Umgebung erkunden kann.

Ich fühle das Laken, das heute anders ist als gestern. Heute morgen wurde es gewechselt, das habe ich gesehen. Jetzt ist es rauer, etwas fester. Ich fahre mit der Hand weiter nach oben. Da ist Papas Arm. Er liegt dicht neben mir und beobachtet mich. Ein bisschen kann ich ihn streicheln, muss aber immer auch auf die Flasche in meiner anderen Hand achten. Und trinken! Hoffentlich hat Papa noch den Nuckel griffbereit. Den möchte ich haben, wenn ich genug getrunken habe.

Jetzt fallen mir ja schon die Augen zu! Das ist zu früh. Milch habe ich auch erst einmal genug. Mit einer Hand hebe ich die Flasche an, damit Papa sie mir abnimmt. Den Nuckel, schnell!

Etwas erschöpft bin ich jetzt doch von diesem Hin und Her. Ich drehe mich auf die Seite, weg von Papa. Meine Finger berühren wieder das Laken. Ein bisschen kann ich mit den Fingernägeln an den Fasern zupfen. Das macht ein reibendes Geräusch. Wenn ich jetzt den Finger über das Laken ziehe, wird es lauter. Und meine Hand vibriert. Ein bisschen bleibe ich dabei am Stoff hängen, also muss ich vielleicht stärker ziehen. Das klappt, so macht es Spaß.

Jetzt kommt Papas Hand und streichelt mir den Rücken. Dazu kann ich ein paar Geräusche machen, dann wird er weiter streicheln. Einmal umdrehen und mein Gesicht ganz nah an seines tun. Unsere Nasen berühren sich. So ist es sehr schön.

Aber auch warm! Zu warm, ich muss mich wegdrehen. Einmal auf die andere Seite. Da ist jetzt die Wand, direkt vor mir. Meine Hand klopft leicht gegen die harte Fläche. Es hört sich dumpf an. Ich klopfe stärker, das Geräusch wird lauter. Rhythmisches klopfen, so klingt es fast wie die Musik im Radio. Meine Müdigkeit verfliegt dabei.

Vielleicht sollte ich mich doch noch einmal hinsetzten. Ich bin gar nicht mehr müde! Also eine Drehung zurück, Beine anwinkeln und auf den Po. Papa guckt erstaunt. Bestimmt tut er gleich wieder so, als würde er schon fast schlafen. Ich glaube, er mag es nicht, wenn ich mich hinsetze. Aber ich sehe so mehr! Und da war doch noch die Wand.

Ich lehne mich an. Mit dem Rücken ganz gerade. Mein Hinterkopf berührt die Wand. Da ist auch wieder dieses dumpfe Geräusch. Ich bewege meinen Kopf vor und zurück. Das tut etwas weh, also alles langsamer und vorsichtiger. Dann ist auch das Geräusch schöner. Weicher irgendwie. Das mag ich, das wiederhole ich.

Uff, da ist sie doch wieder, die Müdigkeit. Ich lege mich erst einmal wieder hin. Auf den Bauch, mit angewinkelten Füßen. So bin ich vor wenigen Tagen noch sehr gerne eingeschlafen. Jetzt drückt das aber und ist unbequem. Also doch lieber wieder auf die Seite. Oder auf die andere, da ist Papa. Ein bisschen kuscheln noch – ach, zu warm. Ich lege mich auf den Rücken und seufze.

Vielleicht sollte ich noch einmal ein bisschen von der Milch trinken. Einschlafen ist wirklich schwer.

1 Kommentare

  1. Gina H. sagt

    Toller Beitrag ♡
    Genauso sieht es bei uns jeden Abend auch aus. Nele (April 2016) macht alles ganz genau gleich. Könnten ihre Gedanken sein

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