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Du sollst dein Kind nicht schlagen!

Gegen Schläge und Körperstrafen

Es gibt gesellschaftliche Entwicklungen, bei denen ich erstaunt bin, dass sie erst so spät einsetzen. Das Frauenstimmrecht in der Schweiz beispielsweise, welches erst seit 1971 existiert. Oder die Straffreiheit für „gleichgeschlechtliche Handlungen“ – erst 1994 durchgesetzt. In meinem Kopf sind diese Rechte so selbstverständlich wie Essen und Trinken.

Auch das Jahr 2000 ist noch nicht lange her. Da hatten wir bereits das Internet, fast den Euro und der vierte Teil von Harry Potter kam in den Handel.

Was es aber nicht gab, war ein Verbot körperlicher Gewalt zur Kindeserziehung. Erst Ende 2000 wurde das dazugehörige Gesetz verabschiedet. Im Jahr 2000! Vor nicht einmal 17 Jahren!

Die Gesellschaft war natürlich schon weiter. Die Gewalt in Familien und gegen Kinder nahm auch ohne ein Gesetz in Deutschland seit den 70er Jahren ab. Die Politik ist eben langsam. Heute, im Jahr 2017, sind Körperstrafen aus den allermeisten Familien komplett verschwunden.

Dachte ich jedenfalls.

Vor wenigen Tagen wurde mir bewusst, dass ich falsch liege. Ich musste mir eine Unterhaltung zwischen mehreren Vätern anhören, die sich darüber echauffierten, ihre Kinder nicht legal schlagen zu dürfen. Ich stand daneben und war so sprachlos wie lange nicht mehr. Wie wirksam es doch sei, wenn man seinem Kind mit einem Klapps die richtige Richtung im Leben gibt. Wenn der Sohn zwei Mal nicht hört, dann muss es eben ein kleiner Schlag sein – natürlich nicht zu doll! Sie meinten damit nicht einmal schlagen im Affekt. Es ging um eine „normale Erziehungsmethode“. Früher war alles besser und „es hat uns doch auch nicht geschadet“.

Mir wurde schlecht.

Ich bin sicher nur in ein Bienennest realitätsferner Väter getreten – die Allgemeinheit denkt doch anders. Um mich etwas zu beruhigen, schaute ich mir Statistiken an.

Es wurde leider nicht besser. Das Bundesministerium für Familie gab 2014 eine Umfrage in Auftrag. Diese zeigt, dass 49 Prozent der Eltern einen leichten Klaps in Ausnahmefällen für zulässig halten. Schlagen mit der Hand und Ohrenziehen finden 20 Prozent bzw. 11 Prozent in Ausnahmefällen angebracht.

Alter! Seid ihr alle bescheuert?

Klar, ich kenne die Argumente. Beispielsweise: Wer selbst Gewalt als Kind erlebt hat, nutzt dieses Mittel auch zur Konfliktlösung bei seinen Kindern. Hier merke ich aber wieder, wie viele Eltern nicht darüber nachdenken, was sie tun. Wie sehr sie sich auf ein „das macht man eben so“ verlassen. Weil es zu funktionieren scheint und schnellen Erfolg bringt. Weil es einfach ist. Schlägt man sein Kind, hat man gewonnen. Keine Diskussion, keine Mühen, kein Nachdenken. „Uns hat es doch auch nicht geschadet“.

Doch, hat es! Denn du schlägst dein Kind! Dein Kind, dass auf die Welt kommt und dir vertraut. Das nicht sofort alles wissen und verstehen kann. Dieses Kind schlägst du, statt deine Hände für Erklärungen und Hilfe zu nutzen. 

Je mehr ich im Internet dazu lese, desto offensichtlicher wird, wie verbreitet es noch immer ist, sein Kind körperlich zu züchtigen. In Foren wird darüber geschrieben und es gibt mehr Zustimmung als Ablehnung.

Dabei sind die Folgen nicht nur unmittelbar, sondern vor allem langfristig. Aggressivität, Entwicklungsstörungen, Ängste in Beziehungen oder fehlendes Selbstbewusstsein, um nur einige wenige Auswirkungen zu nennen. Viele Menschen kämpfen mit diesen Problemen ihr Leben lang – oft ohne zu wissen, warum sie darunter leiden.

Deswegen, jetzt und in Zukunft: Der Satz „man darf niemanden schlagen, es sei denn es ist das eigene Kind“ gilt nicht mehr!

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